Schamanentum

Das traditionelle Schamanentum stammt aus der Region des Altai-Gebirges und der Mongolei. Das Wort „Saman“ stammt aus der Zeit des Burjatisch-Russischen Reichs und bedeutet zu Deutsch schlicht „Sehende“. Das bedeutet, Schamanen nehmen die Geistwelten wahr. So ist es auch ihre Aufgabe, die Harmonie aller Ebenen zu halten und und nötigenfalls wieder her zu stellen. Schamanen werden von den Geistern berufen und dann von älteren Schamanen erkannt, ausgebildet und geweiht.

 

  

Berufung

Es gibt zweierlei Schamanen: Die Geborenen und die Werdenden Schamanen. Beide werden zu allererst von den Geistern berufen. Es gibt keinen Weg sich Wissen, Können und innere Reife anzueignen und so Schamane zu werden.

Die Geister berufen einen Schamanen oft direkt. Das bedeutet dann, dass die Inkarnation bereits in dieser Absicht geschieht. Das Ergebnis ist ein Geborener Schamane, der üblicherweise bereits als Kind erkannt und ausgebildet wird, damit er sein Schamanentum auch leben kann. Diese Ausbildung beginnt im Alter von etwa 6 Jahren, also dann, wann wir unsere Kinder einschulen.

Benötigen die Geister eine Schamane, wo z.B. kein Geborener zur Verfügung steht, können sie einen Menschen direkt berufen. Dieser Berufenen erleidet dann eine schwere Krankheit oder Schicksalsschläge. Ein anderer Schamane erkennt dieses Leiden dann als schamanische Berufung und bildet ihn aus. Was jedoch nicht bedeutet, das jede schwere Krankheit oder jedes Nahtoderlebnis immer gleich eine schamanische Berufung ist.

Schamane ist, wen die Geister dazu berufen. Kein traditioneller Schamane würde auf die Idee kommen, solch eine Berufung anzuzweifeln, oder gar selbst berufen zu wollen. Die Berufung nicht zu leben, oder gar zu verweigern, bedeutet schweres Leid, Wahnsinn und Tot. In unserer westlichen Kultur wird jedoch ständig bewertet und versucht, das Schamanentum selbst zu bestimmen.

Gesellschaft

Die schamanische Urkultur ist ein Matriarchat, das in nomadischen Stämmen heute noch ungebrochen fortbesteht. In dieser Gesellschaft spielen Schamanen die Rolle, wie sie Galsan Tschinag im Video erwähnt. In unserer westlichen Kultur spielen sie leider keine Rolle mehr, was der Gesellschaft die spirituellen Weisheit beraubt. Aus Sicht der Geister haben Titel, wie "Bundeskanzler", keine Relevanz als berufener Ansprechpartner. Für sie stehen die spirituellen Meister mit ihrer Weisheit zuoberst.

Aufgabe des Schamanen

Wie deren Berufung, so wird auch der Zweck des Schamanen von den Geistern bestimmt. Er sorgt, dank seines Sehens, für die Harmonie zwischen allen Welten. Er pflegt die Beziehung zu den Geistern und bringt wieder ins Lot, was aus dem Tritt geriet. Und da ein Schamane ein Mensch ist, spricht und bittet er auch für seine Mitmenschen. So, wie er auch für die Geister zu seine Mitmenschen spricht.

Jeder spirituelle Meister erlangt Fähigkeiten, die Hellsicht, Weisheit und spirituelles Heilwesen umfassen. Das bedeutet deshalb jedoch nicht, das es auch ihre Aufgabe ist. Zum Heiler wird man ebenfalls explizip berufen. Im Westen hat es sich jedoch ergeben, das Schamanen automatisch der spirituelle Heiler aufoptruiert wird.

Schamanismus als Heilweg

In unsere westlichen Kultur besteht ein immenses Bedürfnis an Heilung. Die Sehnsucht nach Liebe und Frieden ist oft so groß, das sie schon wieder quälenden Charakter annimmt. Was nicht zuletzt auch an dem Fehlen spiritueller Meisterschaften in unsere Moderne liegt. In dieser Situation ist das Bedürfnis dringend, einen spirituellen Weg zur Selbstheilung zu finden. Und daraus entwickelte sich eine Form des Schamanismus als persönlicher Entwicklungsweg, wie er in Büchern beschrieben und in Seminaren vermittelt wird.

Aus solch einem persönlichen Heilweg im schamanischen Geiste kann sich dann eine Berufung der Geister zum Schamanentum entwickeln. Schamane zu sein ist ein Job, deren Arbeitgeber die Geister sind. Der Schamanismus, nach europäischem Muster, ist eine Art atheistische Religion. Und die schamanische Urkultur ist wiederum eine Religion, deren oberster Gott Tengri ist und ihr auch den Namen Tengrismus stellt. Tengri ist "Der Blaue Himmel".

Es macht also Sinn, zwischen Schamanentum und Schamanismus als Heilweg bewusst zu unterscheiden. Es macht keine Sinn, hierbei Wertungen vorzunehmen.

Schamanismus als Urquell

Es kursiert die Aussage, der Schamanismus sei weltweit Ursprung aller heutigen Kulturen. Im selben Zuge wird der indianische Medicin Chief als Schamane tituliert. Das beruht auf einer fixen Idee, die europäische Ethnologen im 20. Jahrhundert entwickelten, weil sie gewisse Elemente schamanischer Kultur in anderen Kulturen wieder entdeckten. Während die Wissenschaft dies wieder verwarf, erhielt sich dieses Bild in esoterischen Kreisen bis heute.

Sicherlich haben alle Kulturen eine Quelle, denn schließlich spielen sie alle in einer Menschheit auf ein und demselben Planeten. Aber abgesehen von gewissen Verwandtschaften, hat es jede Kultur verdient, in ihrer Eigenheit mit eigenem Namen erkannt zu sein. Dazu gehört natürlich auch unsere eigene nordische Urkultur. Beginnen wir also, unsere Wurzeln in uns selbst zu finden, statt im Außen irgendeiner anderen Kultur zu suchen. Anderseits leben hier Menschen mit seelischen Wurzeln in allen Kulturen, die es gibt und jemals gab. Beides sollte harmonisch gelebt werden. Und die Meister solcher Kulturen werden in unsere Herzen blicken und uns gerne helfen, den Weg unserer individuellen Natur zu gehen. Und auf diesen Pfaden werden wir auch unsere eigene Kultur wieder entdecken.

Um die Verwirrung zu perfektionieren, gibt es in Südamerika ebenso Schamanen. Dies ist jedoch eine eigen Kultur, in der der Begriff 'Chamán' eine andere, eigene Herleitung aufweist.

Missverständnisse

Ein verbreitetes Missverständnis dreht sich um den Begriff 'Schamanismus' als Sammelbegriff. Die einzelnen Kulturen sind es jedoch wert, mit ihrem eigen Namen und Eigenheiten wahrgenommen zu werden.

In der Esoterik wird auch behauptet, Schamanen würden sich nicht selbst als solche benennen. Dieser Irrtum entsteht, weil dies bei den indianischen Kulturen so Sitte ist. Und über den Sammelbegriff 'Schamanismus' entstand der Glaube, bei den Schamanen sei dies ebenso. Tatsächlich erkennt man eine Schamanen oft schon an gewissen Accessoires und sie nenne sich auch selbst Schamanen.

Ein weiter Irrglaube bezieht sich auf den Preis schamanischen Wirkens. Schamanen nennen traditionell keinen Preis. Es ist jedoch bekannt, das es etwas koste. Heilung und Wissensvermittlung wird also kostenpflichtig gegeben. Ausbildung des Nachwuchses ist jedoch kostenfrei. Was sich im Übrigen auch in unserer Kultur wieder findet, indem ein Azubi eine Vergütung erhält, während Wissbegierige und Kunden zu zahlen haben. Das kostenlose Dienen stammt aus anderen Kulturen und wurde in der Esoterik verallgemeinert. Generell gilt jedoch vor allem für alle Heiler, das es dabei nicht ums Geld geht.

Ausserdem ist im Schamanismus der Mond männlich und die Sonne weiblicher Natur. Das ist im Matriarchat dieser Kultur begründet, in dem die Frau der goldenen Mittelpunkt ist, und der Mann das kommende und gehende Element, wie der Mond. In den indianischen Kulturen ist jedoch Großmutter Mond weiblich und spiegelt die Zyklen der Frau wieder. Während Vater Sonne den Blick auf die Zentralsonne hinter ihr weist. In beiden Kulturen steht die Sonne für die Lebenskraft und der Mond für die Zyklen. Und so darf sich der Mann im Altai auch zum Sommer- und Winterfest seinen ursächlichen Treiben hingeben, während die Frau bei Sinnen bleibt und regiert.

Interessant wird es dann wieder bei dem Bild vom Schamanen als besonders lieben und kultivierten Menschen, der alleine durch seien Sanftheit bereits Heilung ausstrahlt. Auch dieses Bild hat seine Wurzeln eher im Hollyman der indianischen Kulturen. Und selbst dort ist das nur ein Teil der spirituellen Meisterschaften. Aber im Blick auf einen Schamanismus als Selbstheilweg und dem aufoptruierten Heiler für all Schamanen, entstand der Glaube Schamanen seien eine Art Supermänner.

Zu guter letzt besteht noch Verwirrung in der Art des Schamanentums an sich. Der europäische Schamanismus versucht alles in einer Person zu vereinen, was z.B. Heilwesen und Kräuterkunde umfasst. Darüber hinaus muss ein Schamane natürlich blütenweis agieren, da es ja nur einen richtigen Weg gibt. Faktisch ist es so, das es in jeder alten Kultur verschiedene Jobs gibt, die gemeinsam das Ganze Spektrum abdecken. Alle sind einzigartig und spezialisiert und folgen ihrem persönlichen Weg. Und alle haben eine spirituelle Allgemeinbildung und die üblichen Fertigkeiten. In der schamanischen Urkultur gibt es, neben dem klassischen Schamanen, noch den Knochenrichter, den Heiler mit seiner Kräuterkund, den schamanischen Schmied und den Assistenten des Schamanen. Alle sind ebenso von den Geistern berufen und Wirken ergänzend zusammen.

Die drei Farben

Bei den Schamanen selbst gibt es traditionell zwei Pfade. Dies sind die Weissen und Schwarzen Schamanen. Die weissen Schamamen sind eher die Heiler und Orakel und mit den inneren Angelegenheiten des Volkes betraut. Während die Schwarzen Schamanen sich um die äusseren Angelegenheiten kümmern, die Krieger magisch stützen, Flüche bannen und auch aussprechen. Die weisen Schamanen können keine Flüche aussprechen. Und heilende Schamanen sollte auch nicht töten, oder wenn schon nötig, dann nicht mit bloßer Hand. Und wenn ein Schwarzer zu viel magisch kämpft, ist es nicht ratsam in seiner Nähe zu wohnen. Mit Denkmustern von schwarzer und weisser Magie hat das alles jedoch nicht viel gemein. Beide schamanischen Ausrichtungen sind Wege des Lichts und folgen dem obersten Sinn des Schamanentums, die ganzheitliche Harmonie zu wahren und nötigenfalls wieder herzustellen.

Durch invasorischen Einfluss aus Richtung des tibetischen Lamaismus entstand einen dritte schamanische Farbe. Es entstanden die soggenannten Gelben Schamanen. Aus dieser Richtung stammt auch das Gerücht, der Schamanismus hätte sein Wurzeln im Tibetischen oder gar im Indischen. Heute wird deshalb auch zwischen Schwarzen und Gelben Schamanen unterschiedne. Dabei sind dann mit den Schwarzen Schamanen die beiden traditionellen schwarzen und weissen Pfade gemeint.

Unabhängig von der gemeinsamen Farbe, ist kein Schamane auf der Welt gleich. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Natur ihres Totems oder ihres Elements. Es gibt Gift-Schamane, Baum-Schamanen und Wind-Schamanen. Es gibt die Heiler und auch hier wirkt jeder in seinem Fachgebiet. Der eine erzielt besondere Wirkung bei inneren Organen und Geschwüren. Der Nächste eher bei Depressionen und Verspannungen und der übernächste wirkt auf den Bewegungsapparat und die Energieflüsse. Generell nehmen sich Schamane jedoch jedes Problems an und helfen eben auf ihre Weise. Aber wenn es die Umstände erlauben, macht es natürlich mehr Sinn, die Spezialisierungen auch zu nutzen.

Die Art der Schamanen

Wie schon erwähnt, sind Schamanen ganz sicher keine Supermänner. Sie sind, neben ihrem schamanischen Sein, ganz normale Menschen. Und von ihrem Lebensweg her stehen sie immer mit einem Bein in der Geistwelt. Um dabei lebensfähig zu bleiben, steht er mit dem verbleibenden zwar stabiler im Leben, als irgendwer sonst es auf einem Bein vermag. Dennoch ist der Schamane eher etwas chaotisch und verpeilt, warum es auch selten ist, das ein geweihter Schamane noch das Autofahren lernt. Und der Schamane ist angehalten jegliches Wissen zu sammeln und alle erdenklichen Berufe zu lernen. Er soll die Realität seiner Mitmenschen von innen kennen lernen und überall mitreden können, was er dann auch befliessen tut. Aber so richtig kann er eigentlich nur eines: Schamanen.

Daneben gibt es noch den archetypsichen Schamane, neben den Archetypen Krieger und Jäger. Mischtypen sind eher selten und wenn, dann fristen sie ihr Leben mit einer inneren Zerrissenheit. Wenn also ein europäischer Schamane meint, ein "Kriegerschamane" zu sein, dann ist ihm wahrscheinlich das Ego zu Kopfe gestiegen. Oder er ist im Herzen ein Schwarzer Schamane, der dann üblicherweise versucht als "Krieger des Lichts" ein Heiler zu sein. Und im Irrgarten heutiger Esoterik ist es dann meist schwer, sich selbst wieder zu finden.

Schamanen konsultieren

Sich von einem Schamanen helfen zu lassen ist denkbar einfach: Man geht zu ihm und sagt, wo der Schuh drückt. Alles weitere leiten sowieso die Geister und somit weder der Schamane, noch sein Klient. Dabei sollte man nur bedenken, das ein Schamane sehend ist und es sich nach Jahrtausende langer Erfahrung zeigt, das ein schamanischer Rat am besten zu befolgen ist. Denn genau genommen ist jede spirituelle Hilfe nur Hilfe zur Selbsthilfe. Der Schamane kann sehen, fürbitten und bestimmend handeln. Aber in ein glückseligeres Sein kann sich jeder Mensch nur selbst transformieren, auch wenn er dazu nur Ja sagen muss. Aber mindestens das ist unumgänglich.

Trifft man eine Schamane und bleibt im in Erinnerung, wird er einen den Rest seines Seins in sein Träumen mitbedenken. Und da Schamanen im Traum vieles bewirken und abwickeln, ist es Ratsam einem Schamanen in guter Erinnerung zu bleiben. Dann hat man sein Leben lang jemanden, der einen begleitet, im Geistigen heilt und verteidigt. Das dümmste, was einem geschehen kann ist, das ein Schamane eine in schlechter Erinnerung behält. Deshalb werden Schamanen in ihrer Urkultur mit Samthandschuhen bewirtet. Es soll ihm an nichts fehlen und es soll ja alles gut gehen, so lange der Schamane zu Gast ist. Nicht, weil er sich rächen könnte, sondern weil man so eben für ewig einen atmenden Glücksbringer behält.

Also geht man zum Schamanen hin, klagt ihm sein Leid, beschenkt und zahlt ihn gut und bedankt sich von Herzen für den sauren Apfel, in den man beissen durfte.